Trotz der kulturellen Nähe zu unseren nördlichen Nachbarn unterscheidet sich das Arbeits- und Führungsverhalten in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden deutlich von dem in Deutschland. Neu sind für eine deutsche Führungskraft die flachen Hierarchien und der informelle Umgang im hohen Norden: Selbst auf der Führungsetage trägt zum Beispiel nicht jeder eine Krawatte. Schnell wird dann an eine zuständige Kraft auf der Arbeitsebene verwiesen.
Darin steckt keine Geringschätzung, sondern lediglich eine konsequent umgesetzte Sachorientierung, die eine geringere Bedeutung von Hierarchien und formellen Aspekten mit sich bringt. In allen nordischen Ländern gilt so auch das „Du“ als gebräuchliche Anrede, egal, wie die hierarchische Stellung zueinander ist. Je weiter sie nördlich wohnen, desto zurückhaltender werden die Menschen in Skandinavien. Konflikten weichen sie möglichst aus. Zu deutliche Kritik oder Unbeherrschtheit kann tiefe Gräben reißen. Vergleichsweise humorvoll gehen die Menschen vor Ort mit den vorhandenen Arbeits- und Führungsverhalten innerhalb Skandinaviens um. Der Bereichsleiter einer großen nordeuropäischen Bank bringt seine Erfahrungen scherzhaft auf den Punkt: Wenn ich mit meinen nordischen Geschäftsführern in der Direktion eine Entscheidung treffe, geht der Finne zurück zur Arbeit und beginnt wie vereinbart mit der Ausführung, der Schwede kommt nach Hause und diskutiert erst mit den Kollegen, der Däne kehrt zurück und macht möglicherweise etwas ganz anderes als das, was beschlossen wurde, und der Norweger erzählt weder etwas von der getroffenen Entscheidung, noch setzt er sie um.“
Quelle: markets/Das Servicemagazin für Außenwirtschaft/August/September 2006
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