Business-Kultur in den USA: Wo Zeit Geld ist

New York. Mega-Metropole und Nabel der Welt. Für mich war der „Big Apple“ kürzlich Ziel eines außergewöhnlichen Business-Trips: Im Rahmen des „Startup and Entrepreneur Program“ (STEP NYC) der Außenhandelskammer USA (AHK USA) reiste ich mit 15 anderen Unternehmern für eine Woche in die Metropole. Das Programm unterstützt deutsche Unternehmen bei den ersten Schritten auf dem US-amerikanischen Markt. Denn wer dort Fuß fassen möchte, benötigt das richtige Netzwerk, gute Beziehungen und eine durchdachte Geschäftsstrategie. Hier hilft das STEP NYC-Programm mit spannenden Workshops zu allen wichtigen Business-Bereichen, wertvollen Kontakten zu ameri­kanischen Unternehmen und der Chance, das eigene Geschäftsmodell vorzustellen und knallhart bewerten zu lassen. Möglich machen dies die Experten der AHK USA sowie Brian Frumberg, Gründer von VentureOut, der ausländische Unternehmen mit ameri­kanischen Kapitalgebern zusammenbringt.

Alex & Startups

Doch worauf kommt es an, beim Business im „Land der Freiheit“? Was unterscheidet die Geschäftskultur in Deutschland von der in den USA? Und welche Aspekte sollten Unternehmer auf jeden Fall im Auge haben, wenn sie in den USA Geschäfte machen wollen?

Für mich als mittelständische Unternehmerin mit knapp 20 Jahren Erfahrung stehen die USA nach wie vor für Freiheit und Chancen. Die Wirtschaft wächst dynamisch, die Digitalisierung geht rasant voran, das Konsumklima ist positiv und über allem steht die typisch amerikanische Attitüde des „Think positive!“. Hier wird gemacht statt viel geredet. Unternehmer denken groß und agieren mit viel Mut.

Gute Gründe für geschäftliches Engagement

Für deutsche Unternehmen sind die Vereinigten Staaten ein attraktiver Wirtschafts­standort – ob für die Gründung einer Niederlassung oder als Absatzmarkt. Nach wie vor bietet das Land ein wachsendes und stabiles Umfeld. Die USA waren 2015 wichtigster Handelspartner für Deutschland. Die meisten Exporte gehen mittlerweile den Weg über den Atlantik. Dazu bieten die USA aufgrund ihrer Größe und Bevölkerungszahl viele Chancen für deutsche Produkte und Dienstleistungen. „Made in Germany“ ist nach wie vor ein gutes Verkaufsargument. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich laut Zahlen der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern in den USA bereits rund 3.700 Tochterfirmen deutscher Unternehmen angesiedelt haben – die meisten davon übrigens Nieder­lassungen von kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Auf meiner Reise nach New York wurde mir aber auch schnell bewusst, dass es alles andere als einfach ist, in den USA mit einem Business Fuß zu fassen. Niemand wartet dort auf den nächsten deutschen Mittelständler und sein Produkt. Was dahingegen auf Unternehmer wartet, sind eine ganze Reihe von Herausforderungen.

Die Unterschiede zwischen Deutschland und den USA beginnen bei Rechts- und Steuersystemen, Finanzierungsfragen und der Organisation des Vertriebs. Insbesondere kleinere Firmen sollten beachten, dass es in den USA häufig abweichende Produkt­standards, Normen und Regulierungen gibt. Dazu kommt eine Bürokratie, die ihrem Namen alle Ehre macht: Gesetze und Vorschriften laufen auf verschiedenen Ebenen – mal ist der Bund zuständig, ein anderes Mal zählt eine lokale Regelung. Wer Zeit sparen und unnötige Kosten vermeiden will, sollte also rechtliche und steuerliche Aspekte immer bedenken und sich frühzeitig mit erfahrenen Spezialisten zusammentun – die AHK USA hilft hier mit der Vermittlung von Kontakten.

Bei der Gründung einer Niederlassung in den USA kommt es vor allem auf folgende Aspekte an:

Bei der Geschäftsgründung ist es wichtig, die richtige Rechtsform zu wählen. Soll es eine General Partnership, in etwa vergleichbar mit einer deutschen oHG, sein? Oder fährt man mit einer Corporation (Corp. oder Inc.), vergleichbar mit einer deutschen GmbH bzw. AG, besser? Entscheidende Faktoren für die Auswahl sind: Gründungsaufwand, Haftung und Besteuerung.

Die Rechtsform spielt auch eine Rolle beim Thema Steuern. Diese werden auf Bundes, Einzelstaats- und lokaler Ebene erhoben. Denn die Unternehmensform hat Auswirkungen auf die Ertragsbesteuerung. Auch in puncto Mitarbeiter sollten deutsche Unternehmer vorausschauend agieren. Welche arbeits- und steuerrechtlichen Punkte müssen bei lokalen Arbeitskräften beachtet werden? Wie ist die Rechtslage für die Entsendung von deutschen Mitarbeitern? Hier sollten frühzeitig alle Fragen zu Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis geklärt werden.

Wenn alle formalen Hürden übersprungen sind, kann das Business in den USA starten. Doch Vorsicht! Die Geschäftskultur in den Vereinigten Staaten ist zwar ebenso wie die deutsche, westlich geprägt, doch im amerikanischen Geschäftsleben geht vieles ganz anders zu, als in Deutschland.

Im zweiten Teil des Marktchecks USA widme ich mich deshalb den Unterschieden in der Business-Kultur zwischen Deutschland und den USA.

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