Tote Sprachen?

Wie stirbt eine Sprache? Was ist eine tote Sprache? Wann ist eine Sprache aus­gestorben? Und wie geschieht Sprachmord? Ist Latein eine tote Sprache oder stirbt Latein gar aus? Und was sind Ärztelatein und Jägerlatein? Diese und viele andere Fragen beantworten wir Ihnen hier.

So stirbt eine Sprache

Der Tod einer Sprache ist meist ein schleichender Vorgang, der laut der Freien Enzyklopädie Wikipedia in drei Phasen verläuft: Sprachwechsel, Sprachverfall und eigentlicher Sprachtod. Meist sterbe demnach eine Sprache dort, wo sie mit anderen in Konkurrenz gesprochen werde und im alltäglichen Gebrauch den Kürzeren ziehe: Sie werde von immer weniger Menschen bei immer selteneren Gelegenheiten gesprochen, bis sie ganz verschwiegen werde.

Was sind Ursachen für den Sprachtod

Der Sprachtod hat oft eine mit Gewalt gegen Menschen einhergehende Ursache: Entweder sind es Naturgewalten wie Erdbeben, ausbrechende Vulkane oder Tsunamis, die eine Bevölkerungsgruppe und damit auch die von diesen Menschen gesprochene Sprache auslöschen. Oder Dürren und die damit einhergehende Hungersnot und Seuchen töten die Bewohner ganzer Landstriche, mit denen dann auch ihre Sprache stirbt. Oder es sind von Menschenhand begangene Gewalttaten wie Kriege oder angeordnete Massentötungen (Ausrottungen), die zum Aussterben ganzer Bevölkerungsgruppen und ihrer Sprachen führen.

Für die gewaltvolle Unterdrückung von Sprachen ist auch der Begriff Sprachen­mord (Linguizid) geprägt worden. Als Beispiel dafür ist das Vorgehen vieler Kolonial­mächte zu nennen, die in ihren Kolonien den dort Einheimischen verboten, ihre Muttersprache zu sprechen, oder ihnen dies gezielt erschwerten.

Wann gilt eine Sprache als ausgestorben?

Eine Sprache gilt dann als ausgestorben, wenn sie keiner mehr spricht.

Was ist der Unterschied zwischen einer toten und einer ausgestorbenen Sprache?

Als tot gilt eine Sprache, die keiner mehr als seine Muttersprache spricht. Eine tote Sprache kann aber beispielsweise noch als Fremdsprache gelehrt und erlernt werden. Das heißt aber auch, dass eine tote Sprache keine Entwicklung mehr erfährt, weder werden neue Wörter, Begrifflichkeiten und Floskeln gebildet, noch wandelt sich die Sprache grammatikalisch.

Für eine ausgestorbene Sprache gibt es gar keine Sprecher mehr.

Ist Latein eine tote Sprache?

Dem Vorgeschriebenen nach ist die lateinische Sprache eine tote Sprache. Niemand lernt mehr Latein als Muttersprache. Aber: Latein kann von jemandem gelehrt werden, der es ebenfalls als Fremdsprache erlernt hat, der es versteht und der es spricht. In bestimmten Berufsfeldern, allen voran in der Medizin, sind lateinische Ausdrücke bis heute im alltäglichen Sprachgebrauch. Dazu gleich mehr:

Tote Sprachen?

Latein für Fortgeschrittene: Ärztelatein …

Im Deutschen haben wir für die Fachsprache der Mediziner, die schätzungsweise 170.000 Begriffe umfasst, einen ganz eigenen Ausdruck im Gebrauch: Ärztelatein. Was hat es damit auf sich? Gemeint ist das, was Mediziner Laien, seien es der Patient selbst oder seine Angehörigen, mitunter um die Ohren hauen. Deutsche Sätze werden dabei mit sehr vielen lateinischen und einigen griechischen Fachbegriffen gespickt, so dass ein Nichtmediziner kaum mehr etwas davon versteht. Längst gibt es daher Bestrebungen, zum Beispiel an den medizinischen Fakultäten der Universitäten, angehenden Medizinern beizubringen, mit Laien so zu sprechen, dass diese verstehen, was der Arzt ihnen sagt. Lesenswerte Liste mit Erklärungen zu Begriffen aus dem Ärztelatein finden Sie zum Beispiel hier und hier im Internet.

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Dafür würde der Ärztelatein sprechende Mediziner aber immer auf verständige Ohren treffen, wenn er damit auf einem internationalen Kongress zu Gast wäre und dort zu fremdsprachigen Kollegen spräche: Denn das Ärztelatein ist eben dank der hohen Dichte medizinischer Fachausdrücke in Latein und Griechisch international verständlich.

… und Jägerlatein

Auch die Jägerzunft hat ihre eigene Fachsprache: die Jagdsprache, die auch Jägersprache oder Weidmannssprache (auch mit ai: Waidmannssprache) genannt wird. Warum diese nicht mit dem deutschen Begriff „Jägerlatein“ gleichzusetzen ist, das erklären wir Ihnen jetzt:

Die Weidmannssprache umfasste einst einen Wortschatz von rund 13.000 Begriffen, die von Jägergeneration zu Jägergeneration weitergegeben wurden. Heute seien laut dem Portal Jagdfakten.at noch etwa 3.000 bis 6.000 im Gebrauch. Eine Liste mit den wichtigsten Ausdrücken der Jägersprache beziehungsweise Weidmannssprache finden Sie unter dem angeführten Link. Sie werden beim Lesen staunen, denn so mancher Fachausdruck hat im Laufe der Zeit in unsere deutsche Alltagssprache Einzug gehalten, zum Beispiel, dass jemand mit Erfahrung auf seinem gebiet ein „alter Hase“ ist. Oder nehmen wir den Ausdruck, dass einem etwas durch die Lappen gegangen ist – der hat folgende Jagdgeschichte: Ab dem Mittelalter habe man bei hochherrschaftlichen Treibjagden häufig Seile zwischen Bäumen gespannt und darauf große Stofflappen gehängt. So wollte man die Fluchtwege der Wildtiere einengen, um den vornehmen Herrschaften den Abschuss zu erleichtern. Konnte ein Tier durch die Stoffabsperrung entkommen, war es den Jägern „durch die Lappen“ gegangen.

Das Jägerlatein dagegen meint Übertreibungen von Jägern, die damit ihren Jagd­erfolg überhöhen wollen, sowohl in der Zahl als auch in der Größe der erlegten Beute. Damit ist der Begriff Jägerlatein ähnlich wie das Seemannsgarn der See­fahrer und das Anglerlatein der Angler zu bewerten.

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