„Wir müssen helfen und mit anfassen“

Erschöpft und ausgelaugt, aber glücklich. Eine syrische Familie mit zwei Kindern trifft um Mitternacht am Flughafenbahnhof Köln/Bonn ein. In ihren Gesichtern spiegeln sich die Strapazen der Reise wider, dennoch wirken sie erleichtert und sind guter Stimmung. Empfangen werden sie und die anderen Flüchtlinge von Ersthelfern und Dolmetschern. Helfer mit farbigen Warnwesten begleiten auch die syrische Familie zu den Zelt-unterkünften. Sie verteilen Essen, beantworten viele Fragen und bringen Hilfsbedürftige zum Arztzelt. Auch ein Team von Lingua-World ist vor Ort.

Marija Adamy, Lingua-World

Auf den Westen der Dolmetscher stehen die jeweiligen Sprachen, die sie sprechen. „Jeder Flüchtling, ob aus Syrien, den Balkan-Staaten oder aus Afghanistan, soll sofort erkennen, an wen er sich wenden kann und wer seine Sprache spricht. Das gibt ein Stück Sicherheit fern der Heimat“, erklärt Marija Adamy, die das Lingua-World-Team koordiniert.

Seit das Unternehmen von der Stadt Köln angefragt wurde, unterstützen täglich rund zwölf Dolmetscher, wo es nur geht. „Wir möchten helfen. Die Menschen, die hier ankommen, haben ihre Heimat hinter sich gelassen und benötigen unsere Unterstützung“, sagt die 32-Jährige. Wo bekomme ich etwas zu essen und zu trinken? Wo kann ich mich waschen? Wo erhalte ich medizinische Hilfe und Kleidung?
Diese Fragen beantworten die Dolmetscher in dieser Nacht dutzende Male und helfen auch sonst jederzeit weiter. Bis zu zwölf Stunden dauert ihr Einsatz und wann es losgeht, wird oft wenige Stunden vorher klar.

Aus Sicherheitsgründen gibt die Stadt die Ankunftszeiten der Flüchtlingszüge erst kurz vorher bekannt. „Wir erhalten einen Anruf von der Stadt, bei dem Dolmetscher für die entsprechenden Sprachen bestellt werden, dann stehen wir auf Abruf“, weiß Adamy. In den meisten Fällen kommen die Züge in der Nacht an und die Flüchtlinge reisen am nächsten Morgen mit Bussen weiter zu den Unterkünften in ganz NRW.

Die Einsätze wecken auch bei den Übersetzern gemischte Gefühle. „Viele Kollegen, die vor Ort sind, berichten häufig von traurigen Bildern aber auch von Hoffnung, die sie in den Augen der Menschen sehen“, sagt Marija Adamy. „Ich bin stolz, dass ich helfen kann und freue mich über mein engagiertes Team. Es sind einfach tolle Menschen und wir können gemeinsam zeigen, dass wir in Köln offen, freundlich und vor allem hilfsbereit sind.“

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