Mehr Kulturdolmetscher braucht die Welt!

Wer sich entscheidet, in der Fremde zu leben, sei es nur zeitweise oder für immer, der wechselt nicht nur den Ort und die Sprache, die dort gesprochen wird, sondern oft auch die Kultur. Um sich in der neuen Kultur zurecht zu finden, braucht man nicht nur Sprach- sondern auch Kulturkenntnisse. Letztere werden nur bedingt in Sprachkursen vermittelt. Was das Einleben erleichtern würde? Eine Art Fremdenführer für Neuankömmlinge: ein Kulturdolmetscher!

Was ist ein Kulturdolmetscher?

Wenn ein Dolmetscher Gesprochenes übersetzt, übersetzt ein sogenannter Kulturdolmetscher dann Kultur? Wie darf man sich das vorstellen?

Die Antwort auf diese Fragen findet man zum Beispiel bei denen, die bereits als Kulturdolmetscher arbeiten, oder solche ausbilden. Gegenüber dem Portal onetz berichtet die Geschäftsführerin und pädagogische Leiterin des Evangelischen Bildungswerks (EBW) Oberpfalz, Bettina Hahn, dass sie im Mai und Juni einen Qualifizierungskurs für Kulturdolmetscher anbiete. Sie erklärt dazu, dass es bei diesem Job nicht vorrangig um die sprachliche Übersetzung, sondern vielmehr um eine interkulturelle Vermittlung gehe.

Was macht einen guten Kulturdolmetscher aus?

Wie der klassisch arbeitende Dolmetscher (Sprachdolmetscher) braucht auch der Kulturdolmetscher Kenntnisse von mindestens zwei Sprachen. Darüber hinaus sollte er sich in den zu “seinen Sprachen” gehörenden Kulturen auskennen – bestenfalls dank eigener Erfahrungen und Erlebnisse. Je näher die eigenen Kulturerfahrungen denen sind, die Neuankömmlinge erwarten, desto erfolgreicher lässt sich die neue Kultur vermitteln.

Kulturdolmetscher

Das sieht auch das EBW so: Bettina Hahn zufolge lege es Wert darauf, dass künftige Kulturdolmetscher sogar selbst einen Migrationshintergrund hätten. “Grundlegend – und das finde ich besonders schön”, sagt Hahn dem Online-Portal, “basiert der Ansatz darauf, dass die Kulturdolmetscher ihre eigenen biographischen Erfahrungen in das Ehrenamt einbringen.” Probleme der Kulturdolmetscher bei ihrer eigenen Integration sollten demnach ganz bewusst einbezogen werden.

Auch die Soziologin und Bildungswissenschaftlerin Ahlam Bendadda-Erraji kommt in dem Bericht zu Wort. Sie gibt als Referentin beim Qualifizierungskurs für Kulturdolmetscher des Evangelischen Bildungswerks Oberpfalz ihre Erfahrungen weiter: Sie sei demnach bereits in Deutschland geboren, habe aber dennoch Probleme ihrer Eltern bei der Integration hautnah miterlebt. Es gebe oft viele Missverständnisse, die nicht schnell ausgeräumt würden. Die 27-Jährige beschreibt ihr alltägliches Leben zwischen zwei Welten. Die marokkanische Kultur ihrer Eltern sei immer allgegenwärtig: in den Möbeln, im Essen. Sie fordert mehr Kommuni­kation und mehr Menschen in einer Vermittlerrolle wie die Kulturdolmetscher sie spielten. Denn bei allem, was fremd erscheine, würden viele Leute zunächst auf Distanz gehen. Beschäftigten sich die Leute dann miteinander, würden sie oft viele Gemeinsamkeiten feststellen, sagt Ahlam Bendadda-Erraji. Im Kern seien es nämlich oft dieselben Werte, die wichtig seien. Und deshalb finde sie es auch besonders wichtig, dass die Kulturdolmetscher ihre eigene Biographiearbeit einbringen würden. Der sprachliche Teil sei dabei, aber es gehe eben nicht nur um eine 1:1-Übersetzung.

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Was ist Inhalt der Ausbildung zum Kulturdolmetscher?

Kulturdolmetscher sollten in der Lage sein, andere bei ihrer Integration in die ihnen neue Kultur zu unterstützen. In der Ausbildung geht es deshalb darum, wie man Neuankömmlingen die Kultur des neuen Landes sowie dortige Werte und Normen näherbringen kann. Es geht zudem um Aspekte von Migration und kultureller Fremdheit, Religion, interkultureller Kommunikation, Erziehung, Familie und Rollenbildern sowie um das Bildungs- und Gesundheitssystem.

Was umfasst der Job eines Kulturdolmetschers?

Kulturdolmetscher kümmern sich individuell um Neuankömmlinge und helfen diesen in der neuen Umgebung, im Alltag zurecht zu kommen. Sie begleiten ihre Schützlinge beispielsweise zu Arztterminen oder Sprechstunden in der Schule oder helfen beim Anmelden in einem Sportkurs. Das EBW beispielsweise zieht für die Kulturdolmetscher eine Grenze, wenn es um Recht oder Hilfe vor Gericht gehe. Bettina Hahn sagt dazu, dass man die Kulturdolmetscher schützen wolle, weil sie diese Aufgaben einfach nicht leisten könnten.

Kulturdolmetscher während pandemischer Zeiten

Die Pandemie erschwert die Arbeit von Dolmetschern, keine Frage. Sie sind von Berufs wegen auf räumliche Nähe zu den Parteien, zwischen denen sie hin und her dolmetschen, und daraus resultierendes Hören und Sehen besonders angewiesen. Hinzu kommt die Hürde, zu der in einer Konversation die Maske wird, denn sie beschränkt die Sicht auf das Gesicht und nimmt dem Dolmetscher, insbesondere dem Gebärdendolmetscher, wertvolle Mimik, aus der er zusätzliche Infos zum Gesagten schließen könnte.

Der Abstand, mit dem wir die Pandemie in Schach halten wollen, erschwert auch Kulturdolmetschern den direkten Kontakt zu und die direkte Begleitung von Schutzbefohlenen. Viele Kulturdolmetscher bieten ihre Dienste inzwischen aber auch online oder telefonisch (Videodolmetschen / Telefondolmetschen) an.

Falls auch Sie einen Kulturdolmetscher benötigen, wenden Sie sich gerne an uns: Unsere zertifizierten Dolmetscher sind Experten sowohl in sprachlicher als auch kultureller Hinsicht, wenn es um “ihre” Sprachen geht.

Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

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