Non, je ne regrette rien…

Ihr Abschied ist ebenso anders wie ihr Leben … eigentlich stirbt der „kleine Spatz“ („la môme piaf“) bereits am 10. Oktober, aber ihr 20 Jahre jüngerer Mann Théo Sarapo und ihre Krankenschwester bringen sie per Krankenwagen nach Paris und finden einen Arzt, der ihren Tod am 11. Oktober bescheinigt. Todesort: Paris. Die Stadt, die Edith Piaf geliebt, verehrt, gehasst, verflucht hat. Hier wird sie entdeckt, wird zum Star, feiert ihre größten Erfolge, hier liebt sie – selten skandalfrei –, hier lebt sie.

Als 15-Jährige wird sie entdeckt – der Kabarettbesitzer Louis Leplée hört und sieht sie auf der Straße, er verpflichtet sie als Charteuse in seinem Kabarett. 1935 nimmt sie ihre erste Platte auf, wird wenig später der Mittäterschaft am Mord ihres großen Gönners Leplée bezichtigt und flüchtet aufs Land. Lange kann sie ihrer Stadt aber nicht fernbleiben, nur zwei Jahre später kehrt sie zurück – und wird „Die Piaf“, der Star. Ihre Liebschaften sind legendär … Yves Montand, der Boxer Marcel Cerdan, der Sänger Georges Moustaki, der Radrennfahrer Louis Gérardin, der einmal sagen wird: „Zwei Tage und zwei Nächte mit der Piaf sind anstrengender als eine Etappe der Tour de France“. Immer liebt sie leidenschaftlich, immer exzessiv, oft unglücklich. Sie nimmt, wenn sie liebt, und gibt ihr Herz, ihre Stimme, ihre Sehnsucht. Welthits wie „La vie en rose“, „Milord“ und eben „Non, je ne regrette rien“ entstehen.

Non,-je-ne-regrette-rien

Die Piaf hat zeit ihres Lebens gesundheitliche Probleme, rheumatoide Arthritis, sie nimmt starke Medikament, gilt sogar als drogensüchtig. Ende der 50er Jahre dann ihr Todesurteil: Krebs. 1963 stirbt sie – wie gesagt am 10. Oktober auf dem Land, offiziell dann in ihrem geliebten Paris am 11. Oktober. Auf dem Cimetière du Père Lachaise liegt sie begraben, 40.000 Menschen geben ihr das letzte Geleit…

Warum erzähle ich diese Geschichte hier anlässlich ihres 50. Todestags? Unabhängig davon, dass ich sie persönlich verehre, glaube ich an den Mut dieser Frau, ihr Schicksal zu verändern. Sie kommt aus ärmlichen, höchstproblematischen Verhältnissen, ihr mangelt es an Bildung, vielleicht auch an Kultur – in jedem Fall nicht an Herzenswärme und Mut. Dieser Mut ist es, den ich bewundere, und die damit verbundene Haltung: „Je ne regrette rien … ich bereue nichts.“ Was für ein Lebensmotto! Ich wünschte, wir Frauen hätten ein wenig mehr von dieser Piaf, würden ebenso stolz und mutig dieser Welt, diesem Leben die Stirn bieten.

Denn: „Das Leben ist wundervoll. Es gibt Augenblicke, da möchte man sterben. Aber dann geschieht etwas Neues und man glaubt, man sei im Himmel.“

In diesem Sinne
Ihre Nelly Kostadinova

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