Warum ist es so schwer, Sprachen zu übersetzen?

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Wer neben seiner Muttersprache eine Fremdsprache beherrscht, weiß, dass sich nicht jedes Wort, nicht jeder Ausdruck 1:1 von einer in eine andere Sprache übertragen lässt. Vielmehr braucht es neben dem Wissen zum Wortschatz und zur Grammatik beider Sprachen auch Sprachwissen, um eine korrekte Übersetzung anzufertigen. Zudem benötigt ein Übersetzer Kenntnisse zum Thema sowie zum Verfasser des Originaltextes (Absender) – und auch zum Leser (Empfänger) desselben.

Das Übersetzen ist ein komplexer Vorgang. Er erfordert mehrere Kenntnisse und Fähigkeiten zugleich:

Der Übersetzer braucht Kenntnisse zur Ausgangssprache

Bestenfalls ist die Ausgangssprache die Muttersprache des Übersetzers. Gefragt sind neben einem reichen Wortschatz insbesondere auch Synonyme, also Wörter mit sehr ähnlicher oder gleicher Bedeutung. Der große Wortschatz ist nötig, da eine Übersetzung nicht wie eine Tabelle funktioniert, in die Sie in Spalte 1 ein Wort in der Ausgangssprache schreiben und in Spalte 2 die fremdsprachige Entsprechung dazu. Vielmehr steht ein Sprachmittler vor der Herausforderung, aus einer Vielzahl von möglichen Entsprechungen die eine auszuwählen, die in seiner Übersetzung genau das wiedergibt, was das zu übersetzende Ausgangswort ausdrückt. Um in unserem Tabellenbeispiel zu bleiben, stehen dem Begriff in Spalte 1 also mehrere Begriffe gegenüber.

Wenn wir hier schreiben, dass der Übersetzer Kenntnisse zur Ausgangssprache benötigt, meinen wir jedoch nicht nur den Wortschatz, wie er aktuell gebräuchlich ist. Ein Übersetzer sollte möglichst auch viel zur Historie eines Wortes wissen, denn Sprache verändert sich stetig. Das Wissen um die Herkunft und sich mit der Zeit teils verändernde Bedeutung von Wörtern hilft, diese richtig zu gebrauchen oder ihren Gebrauch zu verstehen. Da Sprache auch immer Teil der Lebenskultur ist, hilft kulturhistorisches und kulturaktuelles Wissen, den gegenwärtigen Sprachgebrauch zu erkennen und nachzuvollziehen.

Sprachen übersetzen

Hinzu kommt, dass der Übersetzer die Grammatik seiner Muttersprache exzellent beherrschen muss, um den Ausgangstext zu verstehen. Denn Sprache ist immer eine, bestimmten Regeln folgende, Konstruktion aus bedeutungsvollen Wörtern.

Nicht jeder Text, der übersetzt werden soll, ist unmissverständlich verfasst. Während sich ein Text zum Kleinen Einmaleins mit hoher Wahrscheinlichkeit problemlos übersetzen lässt, da das Einmaleins kaum Raum zum Interpretieren lässt, ist das bei einem literarischen Text ganz anders: Hier gilt es für den Übersetzer, zunächst zu verstehen, was der Autor meinte und dann die fremdsprachige Entsprechung zu finden. Und damit sind wir schon beim nächsten Punkt:

Der Übersetzer braucht Kenntnisse zur Zielsprache

In der Zielsprache sollte der Übersetzer sich genauso sicher bewegen können, wie in seiner Muttersprache. Sämtliche Anforderungen, die wir oben aufgezeigt haben, gelten auch dort. Mit Blick auf die Beispieltabelle heißt das, dass der Übersetzer die Begriffe in Spalte 2 als Entsprechung zum Begriff in Spalte 1 nicht nur kennen sollte, sondern zu jedem einzelnen Begriff in Spalte 2 noch möglichst weitere Begriffe in Spalte 1. Auf diese Weise ergibt sich anstelle einer 1:1-Zuordnung eine komplexe Verästelung der Begriffe, in der sich der Übersetzer sicher zurechtfinden sollte.

Der Übersetzer braucht Kenntnisse zum Thema der Übersetzung

Die Komplexität unserer Welt nimmt dynamisch zu. Sprachen sind Teil dieser Dynamik: Sie treiben den Fortschritt voran und werden von ihm fortgetrieben. Je spezifischer ein Text ist, der übersetzt werden soll, desto wichtiger sind Kenntnisse zum Thema. Hat der Übersetzer diese nicht, kann die Übersetzung kaum gelingen.

Unsere professionellen Sprachmittler haben sich auf Wissensgebiete (Fachgebiete wie Recht, Wirtschaft, Medizin) mit eigenem Wortschatz (Fachbegriffe) spezialisiert. So können wir Ihnen die Übersetzungsdienste in der jeweiligen Fachsprache bieten.

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Der Übersetzer braucht Kenntnisse zum Verfasser (Absender)

Geben Sie zehn Menschen ein Thema und bitten Sie sie, dazu einen Text zu verfassen. Kein Text wird dem anderen gleichen. Selbst wenn Sie das Thema begrenzen und Regeln für das Verfassen des Textes aufstellen, wird jeder Text anders sein. Denn Sprache ist immer individuell. Der Grund: Jeder von uns entwickelt zu einem Wort sein eigenes Verständnis. Allein, wenn wir in eine Menschengruppe das Wort „Apfel“ werfen, sieht jeder, der es hört, ein anderes Apfelbild vor seinem inneren Auge.

Bei Übersetzungen besteht die Herausforderung für den Übersetzer darin, den Apfel möglichst so zu sehen, wie ihn der Verfasser beim Schreiben seines Textes sah. Dazu braucht der Übersetzer Wissen zum Wesen des Verfassers und zu seiner Lebenswelt. Mit diesem Wissen muss das (fast) originalgetreue Sprachbild so in die Fremdsprache übertragen werden, dass auch der Leser der Übersetzung das Apfelbild des Verfassers vor Augen hat. Was bei sachlichen Texten noch leicht machbar scheint, wird bei lyrischen Texten schon fast unmöglich.

Für Konsumenten von Übersetzungen bedeutet das, dass sie sich beim Konsumieren stets der Tatsache bewusst sein sollten, dass sie kein Original, sondern eine Übersetzung vor sich haben. Es gilt: Je weniger sachlich ein Original ist, desto größer ist der Raum des Übersetzers für Interpretation. Während der Übersetzer interpretiert, hinterlässt er seinen eigenen sprachlichen Fingerabdruck in der Übersetzung.

Der Übersetzer braucht Kenntnisse zum Leser (Empfänger)

Die Übersetzung verfolgt ein Ziel: Ein Text soll einer neuen Leserschaft zugänglich gemacht werden. Der Übersetzer sollte deshalb möglichst viel zu den Lesern wissen, um das Original so zu übertragen, dass sie es verstehen. Hier kommt es also auf das Wissen des Übersetzers an, dass er zu der Leserschaft hat. Dabei geht es vor allem um lokale Besonderheiten des Sprachgebrauchs. Denn kaum eine Sprache wird so gesprochen, wie sie im Lehrbuch steht und sich als Fremdsprache erlernen lässt. Vielmehr färben die Sprecher einer Sprache diese gemäß ihrer Lebenswelt ein. Der Übersetzer muss diese Lebenswelt kennen, um die jeweils richtigen Worte für die Übersetzung zu finden.

Unsere professionellen Übersetzer und Dolmetscher beherrschen diese Anpassung einer Übersetzung nach Lehrbuch an den lokalen Sprachgebrauch, die auch Lokalisierung genannt wird, exzellent.

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