Dolmetschen – mehr als nur eine Begriffserklärung

Was heißt „dolmetschen“? Woher kommt der Begriff dolmetschen? Wie funktioniert das Dolmetschen? Wer dolmetscht was und für wen? Gibt es unterschiedliche Methoden zum Dolmetschen und wie unterscheiden sie sich gegebenenfalls? Diese und andere Fragen beantworten wir hier.

Wer hätte es gedacht: Das Wort „dolmetschen“ haben wir über das Slawische aus dem Türkischen übernommen. Dort nennt man einen Vermittler oder Mittelsmann zwischen zwei Parteien mit verschiedenen Sprachen „dilmaç“.

Begriffserklärung: Dolmetschen ist (k)ein Übersetzen

Wie die Tätigkeit des Übersetzens ist auch das Dolmetschen ein Weg, Sprache umzuwandeln (zu transformieren). Denn es wird eine Sprache in eine andere übertragen oder eben „gedolmetscht“. Doch während mit Übersetzen vorwiegend das schriftliche Übertragen eines feststehenden, also in einer Form nieder­geschriebenen und damit fixierten, Textes gemeint ist, reden wir von Dolmetschen, wenn ein Text mündlich übertragen wird. Beim Übersetzen entsteht demnach ein zweites Schriftstück, das den Inhalt des ersten, in der Ausgangs­sprache (auch Quellsprache genannt) verfassten Textes in der Zielsprache möglichst original­getreu wiedergibt. Anders ist es beim Dolmetschen: Dessen Ergebnis ist entweder ein gesprochener, also mündlicher Text, der sich mit moderner Technik selbst­verständlich auch konservieren lässt (Tonaufnahme, Bild-Ton-Aufnahme). Oder es wird in die Gebärdensprache übersetzt, in der vor allem nicht hörende oder schwerhörende Menschen kommunizieren.

Dolmetschen ist das Übertragen von Rede und zugehöriger Tonalität

Demnach muss ein Dolmetscher nicht nur sprachlich exzellent aufgestellt sein, sondern auch fachlich im Thema stecken. Das macht in der Regel eine umfassende Vorbereitung nötig: Um das Geschehen auf einer Konferenz verfolgbar und verständlich zu machen, muss nicht nur das Gesprochene gedolmetscht werden. Gesprochene Sprache transportiert nicht nur Wörter, sondern auch Töne. Die Tonalität belebt das gesprochene Wort, verleiht ihm Bedeutung und Gefühl. So kann ein gesprochenes „Sie werden noch von uns hören!“ beispielsweise vielver­sprechend zuversichtlich oder bedrohlich betont werden. Der Dolmetscher sollte also auch Hintergründe und Intentionen derjenigen bewerten können, deren gesprochenes Wort er dolmetscht – andernfalls drohen Missverständnis und Unverständnis.

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Gängige Formen vom Dolmetschen im Überblick

Im Laufe der Zeit haben die Menschen verschiedene Methoden (Formen, Modi) zum Dolmetschen entwickelt. Die bis heute gängigsten stellen wir im Folgenden kurz & knapp vor:

Zeitgleiches (simultanes) Dolmetschen

Das Simultandolmetschen ist das, was zum Beispiel hinter den Kulissen einer großen internationalen Konferenz wie dem Weltklimagipfel oder G20-Gipfel passiert und garantiert, dass dort Teilnehmer aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Sprachen direkt (in Echtzeit) miteinander sprechen und verhandeln können: Jeder Teilnehmer eines Staates ist dazu über Kopfhörer mit einem Dolmetscher verbunden, der ihm alles, was nicht in seiner Sprache gesprochen wird, übersetzt: Und zwar simultan, also nahezu zeitgleich zu dem jeweils Sprechenden. Der Dolmetscher sitzt dazu in einem schalldichten Raum beziehungs­weise einer solchen Kabine, hört das Gesagte und dolmetscht dies. Fürs Simultandolmetschen muss sich der Dolmetscher extrem konzentrieren. Es ist daher üblich, dass sich bei andauernden Konferenzen Dolmetscher nach vergleichsweise kurzer Zeit abwechseln.

Eine spezielle Form des Simultandolmetschens kommt zum Einsatz, wenn die Quellsprache wenig verbreitet ist. Dann übersetzt ein Dolmetscher, der diese beherrscht, das Gesprochene in eine geläufigere Sprache, die von den anderen Dolmetschern in „ihre“ Konferenzsprache übertragen wird.

Zeitversetztes (konsekutives) Dolmetschen

Wer zeitversetzt dolmetscht, hört sich zunächst das in der Originalsprache an, was er dolmetschen soll, macht sich gegebenenfalls auch Notizen dazu, und überträgt das Gehörte anschließend in die Zielsprache. Dabei strukturiert und strafft der Dolmetscher das Gehörte systematisch, mit dem Ziel Zeit zu sparen. Diese Form des Dolmetschens kommt zum Beispiel zum Einsatz, wenn auf einem Event kurze Ansprachen oder Tischreden gehalten werden. Auch bei Verhandlungen, wo ein Dolmetscher im Raum sein soll, wird häufig zeitversetzt gedolmetscht.

Man unterscheidet das zeitversetzte Dolmetschen in zwei Formen: uniliterales und bilaterales. Ersteres meint, dass der Dolmetscher nur in einer Sprachrichtung dolmetscht, wobei er meist längere Aussagen transferiert. Zweiteres ist das sogenannte Gesprächsdolmetschen, bei dem der Dolmetscher die beiden Sprachen zweier miteinander kommunizierender Parteien beherrscht und zwischen diesen hin und her dolmetscht (in beide Richtungen).

  • Dolmetschen im Flüstern
    Flüstert der Dolmetscher seinen übertragenen Text direkt ins Ohr seines Kunden (Zuhörers), meist sitzt er dabei neben oder schräg hinter diesem, spricht man vom Flüsterdolmetschen. Weil das Flüstern die Stimme des Dolmetschenden sehr anstrengt, ist diese Methode auch nur für kurze Zeit machbar. Dank moderner Dolmetscher-Technik kann ein Flüsterdolmetscher heutzutage in mehr als ein Ohr zugleich flüstern: Das, was er dolmetscht flüstert er in ein Mikrofon, an dem via Funkverbindung bis zu zwanzig Empfänger hängen, die wiederum in den Ohren der Kunden stecken.

Dolmetschen in Gebärdensprachen

Auch das Übertragen von gesprochenen Sprachen in Gebärdensprachen (GS) zählt zum Dolmetschen. Dazu müssen Sie wissen, dass die meisten Menschen ihre Gebärdensprache in ihrer lokal üblichen Fassung lernen. Aus dem Bedürfnis heraus, auch über Gebärdenprachengrenzen hinweg zu kommunizieren, wurde eine einheitliche, international praktizierte Gebärdensprache entwickelt: International Sign (IS). Gedolmetscht wird entweder aus einer Gebärdensprache in eine gesprochene Sprache und zurück oder zwischen zwei regionalen Gebärdensprachen.

Schriftdolmetschen

Das Schriftdolmetschen macht es Menschen, die Gesprochenes nicht oder nur schwer hören, mitlesen können. Dazu transferiert ein Dolmetscher entweder Wort für Wort oder er fasst das Gesagte sinnvoll und systematisch zusammen, um Zeit zu sparen. Ziel des Schriftdolmetschen ist, dass Menschen mit beeinträchtigtem Gehör dank der schnellen Übertragung des Gesagten eine möglichst zeitnahe, aktive Teilnahme an der Kommunikation ermöglicht wird.

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