20 Jahre Lingua-World: Computer, Karteikarten und der erste Auftrag

Lingua-World eröffnet die erste Filiale an Allerheiligen 1997. 20 Jahre ist das her – und es war eine andere Zeit. Und der Anfang einer Erfolgsgeschichte.

Herbst 2017: Wenn Lingua-World-Projektmanagerin Regina Horvat eine Mail mit einer Übersetzungsanfrage bekommt, geht alles ganz schnell. Sie recherchiert in der riesigen Online-Datenbank nach passenden Übersetzern, schreibt eine Mail oder telefoniert kurz. Manche Aufträge sind dann binnen Stunden fertig übersetzt beim Kunden. Kein Drucker hat auch nur ein Blatt Papier gedruckt, niemand hat den Kugelschreiber in die Hand genommen – alles läuft komplett digital.

Lingua-World damals

Vor zwanzig Jahren sah der Büroalltag in einem Übersetzungsbüro noch vollkommen anders aus. Die Datenbank war damals ein Karteikasten. „Englischsprachige Über­setzer waren auf den rosa Karten eingeordnet“, erinnert sich Nelly Kostadinova. 1997 ist gefühlt schon eine Ewigkeit her. Es gab noch die Deutsche Mark, die Spicegirls sangen Hits und Jan Ullrich gewann die Tour de France.

Nelly Kostadinova startete ihre erste Firma als Untermieterin eines Lampenladens im Belgischen Viertel in Köln. „Ein Schreibtisch und ein Computer im hinteren Teil der Ausstellungsfläche, das war der Anfang“, sagt Kostadinova. „Und es wurde dort warm von den ganzen Lampen“, erinnert sie sich.

Nelly Kostadinova, Lingua-World

Am 2. November 1997 war es dann soweit. Das Telefon klingelte, der erste Auftrag ging ein. Eine Behörde benötigte eine Übersetzung vom Niederländischen ins Deutsche. Erster Einsatz für Karteikarten und Faxgerät. Nelly Kostadinova: „Ich engagierte meine allererste Übersetzerin, Frau Dünkel. Mit ihr habe ich danach noch jahrelang wunderbar zusammengearbeitet.“ Die Premieren-Übersetzung hat Nelly Kostadinova damals übrigens persönlich zum Auftraggeber gebracht. „Die Dankbarkeit der Kunden für die schnelle, gelungene Übersetzung zu spüren, das zeigte mir: Ich habe den richtigen Weg eingeschlagen.“

20 Jahre Lingua-World: Kölner Unterwelt, Kosmonauten und ein Telefonbuch

Schnell etabliert sich Lingua-World in Köln als Sprachdienstleister. Schon bald nach der Gründung übernimmt die junge Firma die ersten Dolmetscher-Aufträge.

Nelly Kostadinova war 1997 eine gefragte Dolmetscherin. „Ich hatte gut zu tun. Russisch, Serbisch, Bulgarisch – in den 90er-Jahren waren Dolmetscher für diese Sprachen in Köln sehr begehrt.“ Hauptsächlich unterstützte die gebürtige Bulgarin die Polizei bei Vernehmungen und bei Gerichtsverhandlungen. „Die Kölner Unterwelt kannte mich schon“, erzählt sie mit einem Schmunzeln. „Morgens im Gericht, mittags im Gefängnis und abends zur Polizei. Irgendwann war allerdings die Zeit für etwas Neues gekommen.“

Lingua-World (früher)

Schnell nachdem Lingua-World als Sprachdienstleister gestartet war, kamen auch schon die ersten Dolmetscher-Aufträge rein. Gleich mit dem ersten konnte die junge Firma sprichwörtlich nach den Sternen greifen. Am Telefon meldete sich BBC London. Der TV-Sender suchte dringend nach Dolmetschern für ein Interview mit russischen Kosmonauten, die gerade frisch aus dem All nach Köln ins dortige Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt gereist waren. So futuristisch der erste Auftrag auch klingen mag: Die britischen Reporter der BBC fanden Lingua-World noch ganz klassisch über eine Anzeige im Telefonbuch.

20 Jahre Lingua-World: Grenzgänger, seltene Dialekte und neue Horizonte

Lingua-World goes International. Sechs Jahre nach der Firmengründung eröffnet der erste Standort außerhalb Deutschlands. Die Filiale in den Niederlanden ist im doppelten Sinn völkerverbindend.

Das niederländische Kerkrade ist nur einen Steinwurf von Deutschland entfernt. Oder auch nur einige Schritte durch die Eingangshalle eines Bürogebäudes. „Die erste internationale Filiale von Lingua-World war in einem Haus, das einen Teil in Deutsch­land und den anderen in den Niederlanden hat“, erzählt Nelly Kostadinova. 2003 wagt die Unternehmerin den Schritt ins Ausland.

Lingua-World, Nicole

Die Idee, in den Niederlanden einen Standort zu eröffnen, entwickelte sich während eines nicht ganz einfachen Auftrags. Eine deutsche Behörde brauchte im Rahmen eines Kriminalfalls Dolmetscher, die einen seltenen chinesischen Dialekt sprechen. Kostadinovas Team suchte monatelang und wurde schließlich fündig. „Einige Wochen später standen niederländische Kollegen, die in dem Kriminalfall ebenfalls ermittelten, bei uns in Köln in der Filiale und fragten nach unseren Dolmetschern.“

Nelly Kostadinova wurde bewusst, dass ihre Dienstleistung nicht auf Deutschland begrenzt ist: „Wir wollten auch geografisch näher an unsere internationalen Kunden heran.“ Dem Standort in Kerkrade folgen später weitere in Großbritannien, Kenia und Südafrika.

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