Lokalisierte Websites: Mehr als nur gut übersetzt

Seit Juni 2015 ist Diana Körper Localisation/Translation Supervisor bei Lingua-World.
Die 34-jährige Diplom-Übersetzerin ist Projektleiterin im Bereich Lokalisierung.

Diana Körper, Lingua-WorldIm Blog-Interview erklärt die gebürtige Erfurterin – seit 2006 bei Lingua-World – warum international tätige Unternehmen heute mehr benötigen, als nur gut übersetzte Texte. Die Lösung heißt Lokalisierung. Gemeint sind Websites (inkl. SEO-Übersetzungen) oder Software, die optimal an die Anforderungen in unterschiedlichen Ländern angepasst werden.

Warum sollten Unternehmen Ihre Website überhaupt lokalisieren lassen?
Die Website ist heute die erste Visitenkarte eines Unternehmens. Kunden kaufen und bestellen hier Produkte und Dienstleistungen. Geschäftspartner informieren sich auf der Internetseite über Ansprechpartner und Preise. Unternehmen, die international tätig sind oder es werden wollen, sollten darauf Wert legen, auch im Ausland einen passgenauen Webauftritt anzubieten. Es ist nicht damit getan, die bestehende deutschsprachige Online-Präsenz Seite für Seite übersetzen zu lassen. Besser ist es, sie auf die lokalen Begebenheiten hin anzupassen und dabei sprachliche, technische und kulturelle Aspekte zu beachten.

Was heißt das genau? Können Sie das an einem Beispiel erklären?
Ein deutscher Online-Shop plant eine eigene Website für Kunden in Südafrika. Bei der Lokalisierung der Seite werden dann nicht nur Produktbeschreibungen und Co. übersetzt. Wir fragen zunächst: Funktioniert die Seite auf dem anderen Markt? Sollte der Winter-Sale am Ende des Jahres also wirklich zeitgleich auf der südafrikanischen Seite beworben werden – auch wenn es dort zu der Zeit über 30 Grad warm ist? Wir beachten bei der Lokalisierung die Zielgruppen und ihre speziellen Anforderungen. Das geht soweit, dass auch das Design und die Bildsprache der Seite angepasst werden. Während zum Beispiel in Deutschland für Kinderspielzeug ganz selbstverständlich mit Kinderfotos geworben wird, lachen den Besuchern auf entsprechenden japanischen Websites eigentlich immer Zeichentrickfiguren entgegen. Jedes Land und jede Kultur setzt ganz eigene Ansprüche und Prioritäten an die Tonalität von Texten, an die Farbgestaltung oder Bildsprache. Alle diese Punkte beachtet Lokalisierung.

Gibt es Bereiche, wo eine Lokalisierung unabdingbar ist?
Das ist vor allem bei rechtlichen Fragen der Fall. Wenn es etwa um die Anpassung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder Garantieregelungen geht. Wichtig sind auch formale Aspekte, wie Maßangaben, Währungen etc.
Wenn Unternehmen auf ihrer Website etwa ein Bezahlsystem wie PayPal anbieten, sollten sie sich vorab darüber informieren, ob und inwieweit das System in den jeweiligen Ländern auch genutzt wird. Das Geschäft eines Online-Shops läuft definitiv besser, wenn solche Details beachtet werden.

Wo liegt die größte Herausforderung bei der Lokalisierung von Internetseiten?
Nach wie vor fehlt vielen Unternehmen – selbst großen Konzernen – das Bewusstsein für die Thematik. Häufig haben sie keine oder nur sehr schlecht lokalisierte Webauftritte. Und scheinbar machen sich selbst weltweit agierende Firmen keine großen Gedanken über die Folgen. Schöne Beispiele dafür sind die vielen Autonamen, die sprichwörtlich in die Hose gegangen sind: Toyota brachte in Spanien das Modell „Fiera“ auf den Markt. Unter anderem steht das Wort für „Unmensch“. Auch der Name des Lamborghini Reventon sorgt im spanischen eher für Verwirrung. El reventon bedeutet hier in etwa „Reifenschaden“.

Mittlerweile beginnen aber viele Unternehmen, hier umzudenken. Bei Lingua-World steigt die Nachfrage nach Lokalisierung. Wir begleiten und beraten unsere Kunden dabei von der Erstanfrage bis zum optimalen internationalen Webauftritt. Außerdem bieten wir zusätzlich Lokalisierung von Software an. Denn IT-Tools, die auf der ganzen Welt genutzt werden, sollten auch auf lokale Anforderungen hin angepasst werden.

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